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Seide

Im Bekleidungsbereich wird Seide vor allem für Kleider, Blusen, elegante Damenwäsche, Skiunterwäsche und Gesellschaftskleidung verwendet. Außerdem werden exklusive Accessoires wie Tücher, Krawatten oder Schals aus Seide hergestellt. Im Bereich der Heimtextilien findet Seide bei Tapeten, Teppichen oder auch Bettwäsche Anwendung.

 

Seide stammt ursprünglich aus China. Von China aus gelangte Seide ca. 200 Jahre vor Christus nach Korea. Von Korea aus kam Seide im Jahre 552 nach Christus nach Byzanz und von Byzanz aus dann schließlich nach Süd- und Mitteleuropa. In Europa wird Seide erstmals in Frankreich und Italien industriell verarbeitet.

 

Als Seide dürfen nach dem Textilkennzeichnungsgesetz nur Fasern, die ausschließlich aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnen werden bezeichnet werden. Im Allgemeinen sind es Fasern, die aus der Mittelschicht des Kokons der Seidenraupe gewonnen werden.

Wortschöpfungen und -konstruktionen wie zum Beispiel Kunstseide oder auch chemisch erzeugte Seide dürfen nicht angewendet werden.

 

Bei den seidenspinnenden Insekten haben die Maulbeerspinner für die Seidenproduktion die größte Bedeutung. Die Raupen produzieren den Seidenfaden, aus dem sie Ihren Kokon spinnen aus vier Drüsen, die am Unterkiefer sitzen. Zwei Drüsen produzieren Fibroin. Fibroin ist das Grundmaterial des Seidenfadens. Die anderen beiden Düsen produzieren Sericin. Sericinist der sog. Seidenbast oder Seidenleim, der zur Ummantelung der Seidenfäden notwendig ist. Maulbeerspinner werden seit Jahrtausenden für die Seidenproduktion gezüchtet. Die Kokons der Maulbeerspinner werden in den speziellen Zuchtfarmen vor dem Schlüpfen des Schmetterlings eingesammelt. Der Inhalt des Kokons wird unmittelbar nach dem Einsammeln mit heißem Wasser oder Wasserdampf abgetötet, dass der Kokon nicht durch das beim Schlüpfen entstehende Loch beschädigt wird.

 

Die Kokons der Seidenraupen haben einen Durchmesser von ca. 20-25 mm und eine Länge von ca. 30 mm. Kokons von männlichen Raupen sind Eiförmig. Kokons von weiblichen Raupen hingegen, haben eher die Form einer Acht. Ein Kokon eines Maulbeerspinners besteht aus ca. 800 Meter Seidenfaden. Für die Erbauung des kompletten Kokons benötigt ein Raupe ca. 3-4 Tage. Für 10g Rohseide benötigt man ca. eine Menge von 10-11 Kokons. Die Abfälle die bei der Rohseidegewinnung entstehen können bei der Herstellung von Bouretteseide oder Schappeseide weiterverwertet werden.

 

Nachdem die Kokons eingesammelt und deren Inhalte abgetötet wurden, wird das Sericin mit Hilfe einer seifenartigen Lösung entfernt. Danach werden die Kokons abgehaspelt. Der so genannte Seidenzwirn entsteht dann durch das Verdrehen mehrerer Seidenfäden. Der Gewichtsverlust, der der durch das Entfernen des Sericins entsteht, wird teilweise durch Zugabe von Metallsalzen ausgeglichen. Diesen Vorgang bei der Seidenproduktion nennt man auch „Erschweren der Seide“.

 

Seide kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen ohne sich nass anzufühlen. Die Dichte von nicht entbasteter Seide liegt bei 1,37g pro Kubikzentimeter. Entbastete Seide besitzt eine Dichte von 1,25g pro Kubikzentimeter. Entbastete Seide gehört somit zu den leichtesten Faserstoffen der Welt. Neben Viskose ist Seide diejenige Faser mit der höchsten Feinheit von allen Fasern, die aus natürlichen Polymeren bestehen. Die Reißlänge von entbasteten Seidenfäden beträgt ca. 50 Reißkilometer und die Reißfestigkeit beträgt 20-50 Reißkilometer. Somit kann sich Seide bei normalem Klima bis zu 24% dehnen. Somit hat Seide die höchste Elastizität aller Naturfaserstoffe. Die Nassfestigkeit liegt bei ca. 85% der Trockenfestigkeit. Außerdem hat Seide einen edlen Glanz. Sie ist sehr weich, geschmeidig und knitterarm. Zudem verfügt Seide über eine gute Wärmeisolation und ist gut färbbar.

 

Seide gibt es in einigen verschiedenen Ausprägungen. Neben der Maulbeerseide, die die größte Bedeutung in der Seidenproduktion besitzt, gibt es noch weitere Seidenarten: Tussah- oder Wildseide, Bouretteseide, Schappeseide, Cuitseide, Soupleseide, Anapheseide, Muschelseide und Ecrúseide.

 

Die Maubeerseide, die die größte Bedeutung unter den verschiedenen Seidenarten hat, wird auch als echte, edle, reale oder Zuchtseide bezeichnet. Maulbeerseide ist das Produkt des Maulbeerspinners, einer Raupenart, die sich hauptsächlich von den Blättern des Maulbeerbaumes ernährt. Maulberrseide ist auch die einzige Seide, die sich als Haspelseide verwenden lässt, da der Kokon unbeschädigt ist. Maubeerseide ist die hochwertigste Seide und ergibt in der Regel noppenfreie Stoffe.

 

Die Tussahseide wird auch Wildseide genannt. Die Kokons dieser Seidenart sind beschädigt, weil die Schmetterlinge bereits geschlüpft sind und deshalb ein Schlupfloch im Kokon ist. Tussahseide ist aus diesem Grund nicht abhaspelbar. Produkte aus Tussahseide haben ein unregelmäßiges Warenbild, sind aber dadurch auch sehr haltbar.

 

Schappeseide wird auch als Florettseide bezeichnet. Bei der Produktion von Maulbeerseide ist nur der mittlere Teil des Kokons abhaspelbar. Für die Herstellung von Schappe- oder Florettseide werden die Teile des Kokons verwendet, die nicht abhaspelbar sind. Die Abfallprodukte der Schappeseidenproduktion  werden in der Bouretteseidenproduktion weiterverwendet.

 

Bouretteseide wird durch das Grobspinnverfahren aus den Kämmlingen, die als Abfallprodukt bei der Schappeseidenproduktion anfallen hergestellt. Bouretteseide ist unregelmäßig und noppig. Außerdem ist diese Seidenart stumpfer und fülliger als Schappeseide. Bouretteseide ist im Gegensatz zu den anderen Seidenarten billiger.

 

Die Cuitseide ist auch als Glazseide bekannt. Cuitseide ist zu 100% entbastete Maulberrseide. Der Verlust des Seidenbastes oder des Seideleims hat allerdings einen Festigkeitsverlust zur Folge.

 

Die Soupleseide ist eine Naturseide, die durch Seifenlauge teilweise entbastet wird. Der Entbastvorgang hat einen Gewichtsverlust von ca. 8-12% zur Folge.

 

Die Anapheseide ist eine natürliche Seide aus Afrika, die auch unter dem Namen Nesterseide bekannt ist. Die Kokons aus denen Anapheseide gewonnen wird sind sehr klein und werden nur in der Schappespinnerei gewonnen. Teilweise wird Anapheseide nur als Effektfaden zum Beispiel in der Tuchweberei benutzt.

 

Die Ecrúseide ist eine nicht entbastete Rohseide mit künstlich gehärtetem Bast. Sie ist weniger weich und geschmeidg, weist aber aufgrund des gehärteten Basts eine höhere Festigkeit auf.

 

Muschelseide ist äußerst schwer zu gewinnen. Man verwendet zur Herstellung von Muschelseide  den ca. 60mm langen Faserbart von Steckmuscheln, deren Lebensraum das Mittelmeer darstellt.
 
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